Die Züge, die in Les Brenets ankommen, führen moistens nicht viele Passagiere mit. Der Zustand der Gleise, Weichen und Signale lässt erahnen, dass es hier beschaulich zu und her geht.

Mehr oder weniger einmal pro Stunde kommt der Zug. Mehr oder weniger, meist weniger Fahrgäste entsteigen ihm. Nach einer Viertelstunde fährt der Triebwagen wieder ab, mehr oder weniger leer. Das Bahnhofleben in Les Brenets am äussersten Rand der Schweiz ist beschaulich. Die meisten Weichen sind offensichtlich seit langer Zeit nicht mehr bewegt worden. Gleis 1 ist "déclanché et à la terre", stromlos und geerdet. Im Bahnhofgebäude wohnen zwei Personen.
Am anderen Ende der Strecke, in Le Locle, ist das Bild noch skurriler. Der Schmalspur-Zug aus Les Brenets hält auf Gleis 3. Auf dem gleichen Gleis, aber von der anderen Seite her, kommt ab und zu ein Triebwagen der SBB gefahren. Ein normalspuriger, wohlverstanden. In der Mitte des Bahnsteigs steht ein Prellbock, der die beiden Spurweiten trennt. Es ist alles ein wenig speziell hier in der hintersten Ecke des Neuenburger Juras.

Brücke gespart

Dabei war es damals, Ende des 19.Jahrhunderts, ganz anders geplant. Das Gleis sollte nicht in Les Brenets enden, sondern erst im französischen Besançon. Leider bevorzugten die Politiker dann die bis heute bestehende Linienführung; sie liegt weiter südlich und kommt – was den Ausschlag für die Wahl gegeben haben dürfte – ohne eine lange Brücke aus, mit der kurz hinter Les Brenets der Lac des Brenets hätte überquert werden müssen. So blieb es bei der billigeren Schmalspur und beim fast absurd kurzen Strecken-"Netz" von 4,2 km. Zugegeben, die Oensingen-Balsthal-Bahn ist noch um 200 m kürzer. Aber sie ist normalspurig, mit dem SBB-Netz verbunden und bedient ausser einer recht zahlreichen Bevölkerung auch ein ehemals sehr bedeutendes Industriegebiet. Das kleine Jurabähnchen dagegen ist betrieblich gesehen total isoliert, ohne nennenswerte Erschliessungsfunktion und ohne jeden Güterverkehr. Aber immerhin kostengünstig: Im Prinzip genügt für den Alltagsbetrieb ein Wagenführer, wobei dieser erst noch komfortable Arbeitsbedingungen geniesst. Gemäss Fahrplan dauert die Reise pro Richtung inklusive die zwei Zwischenhalte auf Verlangen 7 Minuten, was beim vorherrschenden Stundentakt eine produktive Netto-Arbeitszeit von 14 Minuten pro Stunde ergibt.

Zugegeben, die Rechnung ist fragwürdig. Aber es gibt handfestere Gründe dafür, dass diese Linie des Neuenburger Verkehrsverbunds transN gefährdet ist. Im Vordergrund der Diskussionen steht seit einigen Jahren der Umbau der Strecke auf Normalspur. Dafür spricht das Behinderten-Gleichstellungsgesetz; es wird zumindest den Umbau der Bahnsteige und den Kauf neuer Triebwagen erzwingen. Dazu kommt, dass in Le Locle die SBB die jetzt schmalspurige Hälfte von Gleis 3 für sich selbst beanspruchen. Ferner würde die Umspurung durchgehende (SBB-)Züge von Les Brenets bis La Chaux-de-Fonds oder weiter erlauben. Und obendrein würde der betrieblich und technisch zweifelhafte Schmalspur-Inselbetrieb wegfallen.

Alternativen werden diskutiert

Das Problem sind die Kosten. Drei Tunnel von zusammen 1050 m Länge (mehr als ein Viertel der Strecke!) müssten ausgeweitet und mehrere Kurven begradigt werden. Das würde deutlich über 40 Millionen Franken kosten, mehr als dreimal so viel wie der Kauf von zwei neuen Triebwagen und die Sanierung der bestehenden Strecke. Angesichts der Tatsache, dass der nicht unbedingt reiche Kanton Neuenburg noch ein paar weitere happige Verkehrsprojekte in der Schublade hat, wird deshalb als weitere Lösung auch die Einstellung des Bahnbetriebs nach Les Brenets und der Ersatz der Bahn durch Busse diskutiert.

Letzteres wäre bedauerlich, denn damit ginge eventuell auch ein Bijou verloren, von dem bis dahin noch nicht die Rede war. Beim Bahnhof von Les Brenets liegt nämlich direkt neben den Gleisen ein kleiner, aber gepflegter Park mit Spazierwegen, Bänken, schattenspendenden Bäumen und einer erhebenden Aussicht auf das Tal des Doubs. Er ist ein idealer Ort zum Nachdenken, zum Beispiel über die Prioritäten der schweizerischen Verkehrspolitik früher und heute. Der Platz ist idyllisch und ruhig, zumal kaum je ein Zug die Ruhe stört.