Fachleute von BLS Cargo und Siemens stellten sich an der Vectron-Erstpräsentation in Spiez den Fragen der Medien.

Das Interesse war gross, als die beiden Maschinen am 29. April 2016 von BLS Cargo und Siemens vorgestellt wurden. Kein Wunder, sind es doch die ersten Vectron-Loks, die an einen Schweizer Kunden verkauft wurden, und gleichzeitig ist es das erste Mal, dass BLS Cargo Fahrzeuge von Siemens bestellt hat. „Wir freuen uns, dass wir in so kurzer Zeit die neuen Lokomotiven beschaffen konnten“, sagte Dirk Stahl, CEO von BLS Cargo in seiner Rede vor Medien und Kunden. „Mit ihrer länderübergreifenden Ausrüstung wird diese Lokomotive unsere Flotte ideal ergänzen und uns noch näher zu unseren Kunden entlang des Korridors Rotterdam-Genua bringen.“ Die Fahrzeuge decken den Mehrbedarf für das angestrebte Wachstum auf dem Güterkorridor, ersetzen aber auch ältere bestehende Lokomotiven. Noch im Laufe dieses Jahres folgen drei weitere Vectron. Die zweite und dritte Tranche ist für 2017 und 2018 geplant. Durch diese Staffelung werden die entstehenden Lücken im Lokbedarf ideal geschlossen. Für Siemens ist das BLS-Cargo-Fahrzeug eine Europa-Premiere, ist es doch die allererste Vectron-Lokomotive, die mit den fünf Länderpaketen für den Einsatz von den Niederlanden bis nach Italien konfiguriert ist.

Überzeugendes Konzept

BLS Cargo hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als eigenständige Anbieterin auf dem Güterkorridor „Rhein-Alpine“ etabliert – dank neuen Produkten und grenzüberschreitenden Lokeinsatzkonzepten. Das Unternehmen wird mit den 15 neuen Vectron seine gute Position auf dem Güterkorridor stärken und weiter ausbauen. „Wir sind stolz darauf, dass wir zum ersten Mal überhaupt Lokomotiven an BLS Cargo liefern können“, meinte Christian Schlegel, Head of Sales & Projects Europe von Siemens Mobility anlässlich der Präsentation. Bis es so weit war, mussten die BLS-Vectron-Lokomotiven eine intensive Prüfphase über sich ergehen lassen. Nach der statischen Inbetriebnahme im Siemens-Werk in München-Allach konnten die beiden Lokomotiven Mitte April erstmals ihre Fähigkeiten auf einem grösseren Schienennetz zeigen – in diesem Fall auf den Gleisen der Deutschen Bahn rund um München. Mit dabei waren Fachleute von BLS Cargo und von Siemens Schweiz, die gemeinsam erste Abnahmetests durchführten. Anschliessend wurden die beiden Vectron nach Basel überführt, wo die Loks anschliessend aus eigener Kraft nach Spiez fuhren. Seit Anfang Mai prüfen BLS Cargo und Siemens die Fahrzeuge in der Werkstätte und auf der Lötschbergachse vertieft und finalisieren die Betriebsdokumentation. Die abschliessende Abnahme der Lokomotiven ist für Ende Juni vorgesehen, wenn die Zulassungen für die Schweiz, Deutschland und Österreich vorliegen sowie die Prüfphase erfolgreich abgeschlossen wurde. Danach werden sie für Einsätze ab Basel sowie auf der Lötschbergachse zur Verfügung stehen.

Die Zulassungen für Italien und die Niederlande sind derzeit in Arbeit, so dass BLS Cargo die Maschinen ab Mitte 2017 vollumfänglich auf dem Korridor Rotterdam–Genua einsetzen kann.

Know-how von A bis Z

Vier Jahre nach der ersten Vectron-Zulassung sind von europäischen Bahnbetreibern schon mehr als 330 dieser Hochleistungslokomotiven bestellt worden – rund 180 Fahrzeuge sind bereits auf dem Schienennetz im Einsatz. Die Vectron-Fertigung erfolgt im Siemens-Leitwerk in München-Allach, wo rund 700 Mitarbeitende tätig sind. Auf fast 25 000 Quadratmetern überdachter Produktionsfläche durchläuft ein Fahrzeug die Phasen Fertigung, Montage und Inbetriebnahme. Zudem ist in Allach seit wenigen Monaten auch das neue Rail Service Center angesiedelt, wo auf drei vollausgestatteten Gleisen alle Arten von präventiven und korrektiven Instandhaltungen durchgeführt werden. Noch im Aufbau befindet sich die Drehgestellwerkstatt, wo künftig „just-intime“ auch die Drehgestelle der Lokomotiven revidiert werden. Gleichzeitig mit dem neuen Lok-Service Center nahm auch das benachbarte Data Analytics Center von Siemens seinen Betrieb auf. Ein internationales Team von mittlerweile 30 Fachspezialisten wertet die grossen Datenmengen aus, welche die weltweit im Einsatz stehenden Fahrzeugflotten produzieren. Gerhard Kress, Leiter des Data Analytics Centers, betont das grosse Potenzial, das in den Fahrzeugdaten schlummert und wie es genutzt werden kann. „Ein einziger Vectron generiert pro Jahr rund eine Milliarde Datenpunkte. Wenn man diese Informationen intelligent auswertet, resultiert ein Mehrwert für die Bahnbetreiber und ihre Kunden“, so Kress. Die Siemens-Analytiker können auf Basis dieser Daten und deren geschickter Verknüpfung Muster und Trends und dadurch Fehlfunktionen und Schäden erkennen, noch bevor sie überhaupt auftreten – die Vorteile liegen auf der Hand. Die Mobility-Division arbeitet aus diesem Grund mit Hochdruck am Auf- und Ausbau der digitalen Services. Der entsprechende Markt wird laut Siemens-Prognosen zweistellig wachsen.