Am 6. Oktober 2018 eröffneten die Appenzeller Bahnen (AB) ihre Neubaustrecke in St.Gallen, zu der auch der Ruckhaldetunnel gehört. Mit dem Bau dieses 700 Meter langen Tunnels konnten die AB die 940 Meter lange Zahnradstrecke in der Ruckhalde aufheben. Dank der neuen Infrastruktur können zudem die Fahrzeiten reduziert und damit zusätzliche Angebote gefahren werden. Zudem verbessert sich die Sicherheit durch die Aufhebung mehrerer Bahnübergänge. Siemens konnte bei diesem Projekt mehrere Systeme installieren. Dazu gehören das Zugbeeinflussungssystem ZSI 127, Bahnübergangsanlagen und Weichenantriebe. Besonders zu erwähnen sind das neue
elektronische Stellwerk Simis IS und die sogenannten Outdoor ECC-Schränke. Dabei handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um einen «intelligenten Kabelverteiler», der für das Simis-IS-Stellwerk konzipiert und umgesetzt wurde. Auf kleinstem Raum beinhaltet er alle notwendigen Elemente für die Ansteuerung der Aussenanlagen und ermöglicht damit völlig neuartige Stellwerkskonzepte.

Idealer Zeitpunkt

Kurz vor Eröffnung der Neubaustrecke hatte Siemens die Gelegenheit, die neue Stellwerkslösung «SIaaS» (Siemens Interlocking as a Service) zu testen. In Absprache mit den Appenzeller Bahnen und mit Bewilligung des Bundesamts für Verkehr bauten die Siemens-Ingenieure eine Kopie des Stellwerkhauptrechners in Wallisellen auf und verbanden diesen mit den rund 60 Kilometer entfernten Aussenanlagen (Weichen, Signalen usw.) in St. Gallen. Beim Versuchsbetrieb (ohne Passagiere) stand der Stellwerkhauptrechner (Stellwerkskopf) in einem gesicherten Siemens-Technikraum. Die Datenverbindung war mit Krypto-Boxen an beiden Enden der redundanten Kommunikationsleitungen abgesichert. Im Zeitraum der Testbetriebs wurde keine einzige Störung registriert. Damit wurde erstmals der Beweis erbracht, dass ein Stellwerk über ein öffentliches Datennetz sicher und zuverlässig betrieben werden kann.

Umfangreiche Auswertungen

Was die Ingenieure auch interessiert ist die Auswirkung der Latenzzeiten (Datenverzögerung) auf die Zuverlässigkeit der Daten. Der Versuch bei den Appenzeller Bahnen diente u. a. auch dazu, die optimale Bandbreite zu evaluieren, die für den intensiven Datenaustausch nötig ist. Auch diesbezüglich werden die Erkenntnisse der zahlreichen Testfahrten detailliert geprüft und ausgewertet. Definitive Aussagen sind derzeit noch nicht möglich; der Versuch war der erste dieser Art weltweit.