Nein, weder die Fahrgäste noch die Wagenführer werden die Trams anders wahrnehmen als heute. Sehr wohl jedoch die für den Unterhalt zuständigen Techniker. Sie werden – sofern die Modifikation die erhofften Resultate zeigt – speditiver und effizienter arbeiten können. Und die Finanzabteilung von Bernmobil wird sich ebenso wie letztlich die Berner Steuerzahler über Kostenvorteile freuen dürfen.

Strassenbahnen unter Dauerbeobachtung

Die Transparenz der modernisierten Trams besteht darin, dass sie über das Mobilfunksystem der 4. Generation dauernd mit der Zentrale verbunden sind und von dieser ohne Unterbruch beobachtet werden. Ähnlich wie ein Patient in der Intensivstation – aber im gesunden Zustand und permanent. Das hat zwei Vorteile: Erstens lassen sich technische Unregelmässigkeiten erkennen, solange sie noch leicht zu korrigieren sind und bevor sie sich als Störung manifestieren. Zweitens sammelt sich über die Jahre hinweg eine Unmenge an Daten an, die bei kluger Auswertung neue Erkenntnisse und einen effizienteren Unterhalt erlauben. Diese «strategische» Dimension des Projekts sollte es erlauben, u. a. durch gezielte Planung der Unterhaltsarbeiten viel Zeit und Kosten zu sparen. Insbesondere lässt sich der Tauschzeitpunkt teurer, von Verschleiss betroffener Komponenten so optimieren, dass diese immer erst möglichst kurz vor dem Ende ihrer tatsächlichen Lebensdauer ersetzt werden.

Der kurzfristige, unmittelbare Nutzen besteht in der bereits erwähnten Möglichkeit, technische Probleme zu erkennen und zu beheben, bevor sie sich auf den Betrieb auswirken. Aber auch auf der «Komfortebene» sind Vorteile zu erwarten. So wird im Hochsommer ein übermässiger Anstieg der Temperatur im Passagierraum von der Leitstelle erkannt werden können, bevor der Wagenführer ihn realisiert. Dann braucht es nur noch einen kurzen Funkspruch, und das Problem ist gelöst.

Solche Funktionen sind nur möglich, weil drei Kategorien von Daten kontinuierlich erfasst und ausgewertet werden: Prozess- und Diagnosedaten mit dem Fokus auf dem technischen Zustand der Fahrzeuge sowie GPS-Daten für deren dauernde und präzise Lokalisierung.

Zuverlässig und kostengünstig

Der Berner Versuch bedeutet Neuland für das Verkehrsunternehmen Bernmobil, die Technik an sich ist jedoch bei anderen Verkehrssystemen schon länger im Gebrauch. Verkehrsflugzeuge werden in ihren wichtigen Funktionen seit Jahrzehnten kontinuierlich überwacht, und seit einigen Jahren ist die Technik auch bei Lokomotiven gebräuchlich. In beiden Fällen sind jedoch die Fahrzyklen bedeutend länger, sodass zumeist die schubweise Übertragung von Datenpaketen ausreicht. Bei einem Tram, das alle paar Minuten anhält, die Türen öffnet und schliesst und wieder beschleunigt, ist die kontinuierliche Datenübertragung angezeigt. Mit dem Mobiltelefonie-Standard 4G ist dies auf zuverlässige und kostengünstige Art möglich.

Die Berner Combinos werden nun zunächst während fünf Jahren im Rahmen eines Vertrags zwischen Bernmobil und Siemens «transparent» unterwegs sein. Dann wird klar sein, ob das System den erhofften Nutzen bringt und definitiv in Betrieb bleibt.