Seit dem Start vor bald zwei Jahren haben die selbstfahrenden gelben Postautos viele Besucher und Experten aus der ganzen Welt nach Sitten gelockt. Zudem hat die PostAuto AG die autonomen Fahrzeuge an zahlreichen Vorführungen im In- und Ausland präsentiert: Insgesamt sind bisher 65 000 Personen mit den SmartShuttles gefahren, 35 000 davon alleine in Sitten. Während der ersten Testphase haben bis Ende 2017 die beiden Busse rund 7500 Mal die 1,5 km lange Strecke in der Altstadt durchquert. Aufgrund der guten Erfahrungen haben die beteiligten Partner entschieden, die Tests mit den SmartShuttles bis mindestens Ende 2018 zu verlängern und komplexer zu machen. Neu fahren die autonomen Busse bis zum Bahnhof Sitten und bedienen eine rund drei Kilometer lange Strecke. Mit dieser Verlängerung erhöht sich die Komplexität des Verkehrs und damit auch die Anforderung an die Technologie. So müssen die Busse unter anderem einen Verkehrskreisel meistern und an der Avenue de la Gare mit zwei Ampeln kommunizieren.

Innovationen vorantreiben

Für einige der technischen Lösungen auf der verlängerten Strecke sind Fachleute von Siemens Mobility Schweiz verantwortlich. In erster Linie geht es darum, sicherzustellen, dass die fahrerlosen Busse auch auf stärker frequentierten Strassen und bei höheren Geschwindigkeiten sicher und effizient verkehren können. An den beiden Lichtsignalanlagen, an welchen die Busse vorbeifahren, sind zwei sogenannte Road Side Units (RSU) Sitraffic ESCoS installiert. Mit Hilfe dieser RSU wird eine drahtlose Kommunikation über ITS-G5 (WLAN 802.11p) mit dem Bus hergestellt. Die RSU sind mit den Siemens-C900-Lichtsignalanlagen verbunden, deren Zustand permanent in die RSU übertragen wird. Durch Verwendung der international standardisierten V2X-Messages SPAT (Zustand der Signale) und MAP (Topologie der Kreuzung) werden die Rot- und Grünphasen in den Bus übertragen. Durch die äusserst zuverlässige und sichere Kommunikation weiss ein SmartShuttle zweifelsfrei, wann die Ampel rot ist und wann er anhalten muss. Auch kann die verbleibende Zeitder Grün- und Rotphase (Prognose) ermittelt und so die optimale Durchfahrt an der Ampel bestimmt werden.

Mithilfe dieser technischen Installationen sind die Busse in Sitten in der Lage, eine stark frequentierte Kreuzung autonom zu durchfahren. Für einen fahrerlosen Bus auf öffentlichen Strassen stellt dies eine Weltpremiere dar. Die Partner des Mobility Lab – die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, die Fachhochschule Westschweiz (HES-SO Wallis), der Kanton Wallis, die Stadt Sion und die Post – wollen den erweiterten Test nutzen, um neue Erkenntnisse zum Thema zu gewinnen, und zwar nicht nur bezüglich der technischen Aspekte. So soll sich zum Beispiel auch die Kommunikation zwischen den Bussen und den Fussgängern verbessern – ein wichtiges Kriterium für eine künftige grossflächigere Nutzung.