Stephan Winkler ist überzeugt: Building Information Modeling (BIM) wird den Spitalbau revolutionieren: «Heute baue ich ein Gebäude zuerst virtuell, bevor ich den Beton eingiesse», sagte der Leiter Gesundheitswesen beim Bauunternehmen Losinger Marazzi am Siemens Healthineers Summit am 15. März im Zürcher Hotel Renaissance. So entdecke man früh Planungsfehler oder könne anhand der Sonneneinstrahlung die ideale Position der Heizkörper bestimmen. Doch dies sei erst der Anfang. «Im Untergrund schwimmen unzählige Daten zur Gebäudenutzung: So kann man etwa die Laufwege des Personals messen.» Also was tun mit all den Daten? Diese Frage zog sich durch alle neun Vorträge von Experten aus Spitalmanagement, Industrie und Forschung, die am Summit die Zukunft der Gesundheitsbranche skizzierten. Kostendruck und demografische Veränderung fordern die Branche genauso heraus wie der grosse technologische Umbruch unserer Zeit: die Digitalisierung.

Weniger Betten dank Robotik

Am Vormittag hörten die rund 90 Teilnehmer die Perspektiven zweier CEO, die beim Neubau ihrer Spitäler laufende Entwicklungen miteinberechnen mussten. Adrian Schmitter, CEO des Kantonsspitals Baden, wird die Bettenanzahl nicht erhöhen. «Technologien wie minimalinvasive Chirurgierobotik werden die Aufenthaltsdauer massiv reduzieren», begründete er. Anders als in Baden steht der Neubau des Spitals Limmattal bereits. Das Bauunternehmen Losinger Marazzi setzte dabei erstmals BIM ein. Die Planung werde mit dieser neuen Technologie aufwendiger, meinte Spital-CEO Thomas Brack. Dafür verliefen die Bauarbeiten reibungsloser. Welche Relevanz diese Erfahrungen bald haben können, erklärte Thilo Mahr von Siemens Healthineers Deutschland: «70 % der Kliniken in Deutschland müssen grundlegend erneuert werden, da diese in den 80er Jahren gebaut wurden.» In der Schweiz sehe es ähnlich aus.

Automatisierte Radiologie

Der Nachmittag stand im Zeichen von Big Data – und der Hoffnung auf personalisierte Präzisionsmedizin. Keynote-Speaker Stephan Sigrist vom Schweizer Thinktank W.I.R.E. hatte den Summit mit einem Reality Check eröffnet: «Statt in einer Informationsgesellschaft sind wir in einer Datengesellschaft gelandet.» Der Grund: Computerspeicher wachsen schneller als die Rechenleistung. Um nicht in Daten zu ertrinken, müsse man wissen, was man suche, so Sigrist. Tobias Kober weiss es. Der Leiter einer Forschungsgruppe von Siemens und dem Universitätsspital Lausanne füttert einen Algorithmus mit Hirntomografien von Multiple Sklerose-Patienten. Heute zählen Radiologen die Läsionen von Hand. Kobers Algorithmus automatisiert radiologische Diagnosen und verbessert sie.

Vom Diagnostiker zum Kommunikator

Werden Radiologen nun arbeitslos? Kobers Nachredner Arthur Kaindl, General Manager Digital Health Service bei Siemens, verneinte. «Künftig wird ein Radiologe mit dem Patienten Befund und Therapie besprechen. Er wird vom Diagnostiker zum Kommunikator.» Andréa Belliger ging näher auf diesen Rollenwechsel ein. «Die digitale Transformation ist grösser als die Technologie», sagte die Professorin für Kommunikation in Luzern. Sie ersetze geschlossene Systeme durch offene Netzwerke und bringe so Hierarchien durcheinander «Als Mutter weiss ich mehr über die chronische Krankheit meines Kindes als unser Hausarzt, weil ich mich online informiere», erzählte Belliger. Deshalb forderte sie Führungskräfte in der Gesundheitsbranche dazu auf, die Digitalisierung nicht an die hausinterne IT zu delegieren. «Man muss auf der Führungsebene eine digitale Kultur prägen und die Leidenschaft für Veränderung wecken.»