Im wildidyllischen Habkerntal im Berner Oberland sitzt die Bernatone GmbH. Inhaber ist Heinz Tschiemer, der einzige vollberufliche Alphornbauer der Schweiz. Er erläutert: «Das richtige Holz ist ein extrem wichtiger Aspekt beim Alphornbauen. Wir verwenden eigenes Fichtenholz, das aus über 1300 Metern Seehöhe stammt. Denn es muss langsam gewachsen sein, um den Ansprüchen zu genügen.» Heutzutage besteht ein Alphorn aus vier bis sechs Einzelteilen, damit es sich einfacher transportieren und bei Bedarf zusammensetzen lässt. Die Verbindungsstücke aus Kunststoff lässt Tschiemer beim Formenbaubetrieb Wirox GmbH aus Meiringen fertigen. Geschäftsführer Roman Willi hat bei der Anschaffung der Drehmaschine eine bedeutende Rolle gespielt.

CNC-Technik hielt schon vor 20 Jahren Einzug im Alphornbau

«Vor etwa 20 Jahren hat mein Vorgänger angefangen, die Alphorn-Rohre mit CNC-Technik zu fräsen – was anfangs extrem kritisch beäugt wurde. Doch erst die maschinelle Genauigkeit versetzte ihn in die Lage, immer wieder kleine Änderungen vorzunehmen und den Verlauf des Rohrs zu optimieren», berichtet Tschiemer. Er hält den Rohrverlauf zwischenzeitlich für so weit ausgereift, dass sich nicht mehr viel verbessern lässt – was seinen Fokus auf die Mundstücke lenkte, die noch immer von Hand produziert werden.

Die Bernatone-Mundstücke bestehen aus Olivenholz. Jedes einzelne fertige Stück nimmt Heinz Tschiemer in den Ausstellungsraum neben seiner Werkstatt, setzt es auf eines der Alphörner auf und bläst ein paar Töne zur Probe. Tschiemer stellt 19 verschiedene Ausführungen her, weil ein Mundstück individuell zu Lippen, Zahnstellung usw. des Bläsers passen muss – ähnlich wie ein Schuh an den Fuss.

Selbst fertigen ist die Lösung

Die Idee, eine professionelle Drehmaschine für die Produktion der Mundstücke anzuschaffen, kam im Gespräch mit Roman Willi von Wirox zustande. Tschiemer dazu: «Wir wollen die Teile ganz grundsätzlich effizienter und schneller fertigen als bisher. Ich werde aber auch vieles ausprobieren und versuchen zu verbessern, was sich ohne die Präzision und reproduzierbaren Ergebnisse einer Maschine nicht umsetzen liesse», so Tschiemer. Als einziger hauptberuflicher Alphornbauer will er dem Wettbewerb – was Innovationen und Verbesserungen betrifft – auch gern eine Nasenlänge voraus sein.

Holzbearbeitung und ihre Besonderheiten

Nach der reibungslosen Inbetriebnahme der Maschine stand jedoch zuerst noch die Frage nach geeigneten Werkzeugen im Raum. Willi beschreibt: «Das Stirnholz zu bohren ist wegen der Jahrringe im Holz eine echte Herausforderung: Zuerst machen wir eine Kernbohrung und anschliessend wird gedreht. Dabei ist die Kunst, es beim Naturprodukt Holz so hinzubekommen, dass keine Verläufe sichtbar sind.» Gleichzeitig musste die Frage der Aufspannung geklärt werden. «Ich hatte anfangs einen gehörigen Respekt vor der Maschine und ihren vielen Knöpfen», bekennt Tschiemer. «Und dann legte Roman los und programmierte innerhalb kürzester Zeit das erste Mundstück – einfach so in ein paar Minuten, das war unglaublich.»