Ein erfolgreiches Beispiel für den Technologiewandel bei Siemens ist der Ersatz von ionisierenden Brandmeldern. Diese wurden fast ein halbes Jahrhundert lang produziert und alleine in der Schweiz über eine Million Mal eingebaut, weltweit sind es rund 50 Millionen. In vielen Schweizer Gebäuden befinden sich immer noch Ionisationsbrandmelder, da es lange Zeit keine Alternative gab. Diese enthalten geringe Mengen des radioaktiven Isotops Americium-241 (Am-241). Die Strahlenmenge auf den Menschen liegt zwar nur bei 0,0043 Mikrosievert pro Jahr und ist im Vergleich zur natürlichen Strahlendosis (1300 Mikrosievert), welcher wir jährlich ausgesetzt sind, äusserst gering. Das eigentliche Problem liegt in der sehr langen Halbwertszeit des radioaktiven Materials von über 432 Jahren.

Ein ehrgeiziges Ziel

Der ionisierende Brandmelder detektiert seit den 1940er Jahren Rauch mit zuvor nicht gekannter Präzision. In den frühen 1980er Jahren gelang die Entwicklung der neuen Technologie mit optischer und thermischer Detektion. Die Qualität der neuen Produkte-Generation erlaubt den erwünschten Ersatz der ionisierenden Melder bei den Kunden. Aus diesem Grund hat Siemens eine Machbarkeitsstudie zum möglichst vollständigen Recycling des Materials in Auftrag gegeben, welche mit der Suva und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) besprochen wurde. Als Partner konnte Siemens die Firma Gamma-Service Recycling GmbH gewinnen, welche dank der Übernahme eines Spin-offs der Universität Berlin über das nötige Know-how verfügt. Die Machbarkeitsstudie zeigte, dass das ehrgeizige Ziel, mindestens 99,2 % des radioaktiven Isotops zurückgewinnen zu können, möglich war. Es dauerte drei Jahre, bis die Methode fertig entwickelt und umgesetzt werden konnte. In der Zwischenzeit wurden für den gesamten Prozess ein neues Gebäude gebaut und alle erforderlichen Bewilligungen eingeholt.

In die Einzelteile zerlegt

Der Prozess ist simpel: Die alten Melder werden in der Rückgewinnungsanlage auseinandergenommen, die ungefährlichen Bauteile wie Plastik, Metall und Elektroschrott über gängige Recyclingwege in den Stoffkreislauf zurückgeführt und das Am-241 chemisch abgetrennt und herausgelöst. Pro Woche können in der Rückgewinnungsanlage 50 000 Melder verarbeitet werden. Dank diesem Recyclingprozess kann das verbaute Americium zurück in den Kreislauf gebracht und wiederverwendet werden. Da pro Melder nur ein Bruchteil eines Milligramms der Substanz zurückgewonnen werden kann, lohnt sich der Prozess zumindest aus finanzieller Sicht nicht. Dennoch ist das Verfahren ein wichtiger Schritt zur erfolgreichen Kreislaufwirtschaft. Noch viel gravierender ist der Vorteil, welcher sich aus der ersparten Zwischenlagerung als radioaktiver Abfall ergibt. In der Schweiz sind derzeit nur noch rund 120 000 radioaktive Melder in Gebäuden verbaut, das heisst es wurden bereits eine Million erfolgreich ausgetauscht und rezykliert.


Made in Switzerland

Der Ionisationsbrandmelder wurde ab 1940 von den beiden Physikern Ernst Meili und Walter Jäger bei der Cerberus AG entwickelt. Der Durchbruch gelang 1946 und bereits ein Jahr später kamen die ersten Melder auf den Markt. Die neuen Melder waren sehr erfolgreich und verhalfen Cerberus, innerhalb von 20 Jahren zu einem grossen Unternehmen mit weltweit mehreren Tausend Mitarbeitenden herananzuwachsen. Die Cerberus AG wurde 1998 in den Siemens-Konzern integriert.