Veränderungen sind ein Grundprinzip unserer Welt. Sie eröffnen Zukunftschancen, geben Impulse für unternehmerische Entscheidungen, stellen etablierte Sichtweisen infrage und inspirieren zu neuen Handlungsmaximen. Allein ein Blick auf den digitalen Wandel – einen bedeutenden Megatrend unserer Zeit – macht deutlich, wie gravierend sich die Welt in den vergangenen Jahren verändert hat und vor welchem Paradigmenwechsel wir stehen. Denn nur wenn wir Veränderungen als Chance begreifen und gemeinsam daran arbeiten, bleiben wir langfristig erfolgreich.

In der bald 170-jährigen Geschichte des Unternehmens hat sich Siemens daher bereits einige Male neu organisiert und seine Strukturen den Markterfordernissen angepasst. Jüngstes Beispiel ist die Medizintechnik-Sparte von Siemens. Die erfolgreiche Division Healthcare wird seit Juni 2015 eigenständig geführt. Dies bedeutet, dass regionale Organisationsstrukturen den Anforderungen des Gesundheitsmarktes angepasst werden können und nicht der Matrix der Konzernorganisation entsprechen müssen. Damit soll Healthcare eine grössere Flexibilität auf dem sich fundamental wandelnden und von Paradigmenwechseln geprägten Markt für Medizintechnik erhalten.

Von Siemens zu Sirona

Neben internen Organisationsanpassungen hat Siemens in der Vergangenheit auch einige Geschäfte strategisch neu ausgelegt und wenn nötig ausgelagert. Die Zahnmedizintechnik ist eines der Beispiele, bei dem eine Spartenausgliederung sehr erfolgreich verlief. Aus dem Dentalgeschäft von Siemens entstand 1997 das Unternehmen Sirona. Bereits 1999 schrieb «Die Welt»: «Sirona hat ihre Siemens-Vergangenheit weit hinter sich gelassen. Aus dem Geschäftsbericht (…) wird hervorgehen, dass das Ergebnis im ersten Jahr der Selbständigkeit deutlich gestiegen ist.» Sirona sei ein Beispiel dafür, wie man aus einer Konzernaktivität ein florierendes mittelständisches Unternehmen macht. Das Sirona-Management sei in der Lage, schnelle Entscheidungen zu treffen. In grossen Organisationen dauere das oft Wochen. Im September 2015 wurde bekannt, dass Sirona für 5,5 Milliarden US-Dollar von Dentsply International übernommen wird. Die neue Gesellschaft Dentsply Sirona wird somit zum weltgrössten Hersteller professioneller Dentalprodukte werden. Die Fusion soll im ersten Quartal 2016 abgeschlossen sein.

Informationstechnik und Speicherchips

1990 übernahm Siemens die Mehrheit der Nixdorf-Aktien und führte Nixdorf mit dem Bereich der Daten- und Informationstechnik von Siemens zu Siemens Nixdorf zusammen. 1998 wurde das Unternehmen wieder aufgelöst und die Computer-Sparte in ein Joint Venture mit Fujitsu eingebracht, Fujitsu Siemens. Der Unternehmensanteil von Siemens wurde 2009 schliesslich an Fujitsu verkauft. Das Unternehmen ist heute noch ein führender Informations- und Telekommunikations-Komplettanbieter.

1999 verkaufte Siemens ihr Speicherchip-Geschäft und gründete die Infineon Technologies AG. Nach einem harzigen Start hat sich die Firma nun erholt und zählt heute zu den führenden Unternehmen der Branche. Infineon bietet Halbleiter- und Systemlösungen mit Schwerpunkt auf den Themen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit.

Erfolgreiche Ausgliederungen in der Communications-Sparte

Auch die Communications-Sparte von Siemens blieb nicht unangetastet. In den Jahren 2006 und 2007 war ein Teil der Sparte als Siemens Networks tätig. Danach wurde die Firma mit Nokia Networks Business zum Joint Venture Nokia Siemens Networks zusammengeschlossen, aus welchem Siemens 2013 wieder austrat. Aus dem Enterprise-Teil der Communications-Sparte wurde das eigenständige Unternehmen Siemens Enterprise Communications. 2013 hat sich das Unternehmen einen neuen Namen gegeben und heisst jetzt Unify. Auch aus dem Communications-Teil, der unter anderem Schnurlostelefone entwickelte, gründete Siemens ein eigenständiges Unternehmen, Siemens Home and Office Communication Devices. Seit 2008 firmiert das Unternehmen unter dem Namen Gigaset Communications und ist führend im Bereich Telekommunikation und Verbraucherelektronik. Ein Misserfolg war der Verkauf des Siemens-Tochterunternehmens Siemens Mobile im Jahr 2005 an BenQ. Das taiwanesiche Unternehmen musste bereits 2006 Insolvenz anmelden. Zurückgeführt wurde dies vor allem auf das Verpassen wichtiger Markttrends und teils erhebliche Software-Fehler in den Produkten.

Siemens IT Solutions and Services

Eine weitere Ausgliederung, die im Zuge der Neuorganisation des Konzerns durchgeführt wurde, fand 2011 bei Siemens IT Solutions and Services statt. Die IT-Sparte wurde an das französische Unternehmen Atos verkauft. Siemens wurde durch die Transaktion grösster Aktionär von Atos und hält etwa 15 % der Anteile. Die Schweizer Atos AG bietet mit rund 800 Spezialisten professionelle IT-Lösungen und -Services über die ganze Prozesskette an – vom Consulting über Systemintegrationen bis zum Management komplexer IT-Infrastrukturen.

Plötzlich Mitbewerber

Andere Unternehmen, die früher zu Siemens gehörten, sind heute in einigen Bereichen sogar Mitbewerber. 2008 verkaufte Siemens Schweiz den Bereich Engineering and Innovative Products. Gegründet wurde die Albis Technologies AG. Siemens Schweiz verkaufte die Sparte nicht ganz ohne Bedauern: Der Bereich war erfolgreich auf dem Weltmarkt tätig. Als eigenständiges Unternehmen unterwegs sein zu können, war aber durchaus sinnvoll, um das Know-how im Telekommunikationsbereich weiterzuentwickeln und am Markt als Innovator in diesem Bereich wahrgenommen zu werden. Heute ist Albis Technologies ein führender Anbieter von professionellen Zugangs- und Multimedialösungen für die Telekommunikationsindustrie sowie Engineering-Leistungen für Kunden aus dem Bereich Informations- und Kommunikations-Technologie.

Auch die Firma Häni Prolectron war ein ehemaliges Siemens-Schweiz-Tochterunternehmen. Sie fusionierte später mit der Firma Softadweis und wurde nach mehreren Umbenennungen und Organisationswechseln zu Siemens Transit Telematic Systems. Heute heisst die Firma Trapeze mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall und liefert Lösungen auf vielen Gebieten des öffentlichen Personennahverkehrs.


Ebenfalls zu Siemens gehörten…

Swissbit AG: Das Unternehmen ging 2001 aus einem Management-Buy-Out von Siemens Memory Products hervor und ist heute eine erfolgreiche europäische Entwicklungs- und Produktionsfirma von industriellen Speichermedien.

Epcos AG: Das Unternehmen ist 1999 aus dem von Siemens und dem japanischen Konzern Matsushita gegründeten Joint Venture hervorgegangen. 2006 hat Siemens seine Anteile an Epcos verkauft. Drei Jahre später wurde Epcos mit dem Bauelementegeschäft von TDK unter dem Dach der in Japan gegründeten TDK-EPC Corporation zusammengeführt.

Osram AG: Weil sich der Lichtmarkt mit seinen technologischen Umbrüchen so rasch verändert und neue Ideen noch schneller auf den Markt gebracht werden müssen, wurde Osram 2013 von Siemens als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht. Seither hat sich Osram neu erfunden. Das Lampengeschäft wird verselbständigt, in Zukunft will sich das Unternehmen auf Halbleiter, Automobil- und Spezialbeleuchtung konzentrieren.