Wie zufrieden sind Sie mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr?

Wir sind ganz zufrieden mit dem letzten Geschäftsjahr. Sowohl beim Umsatz als auch beim Auftragseingang liegen wir auf Vorjahresniveau, was wir aufgrund der Wechselkursschwierigkeiten als gute Leistung bewerten.

Wie wurde die neue Unternehmensstrategie «Vision 2020» in der Schweiz umgesetzt?

Die Umsetzung der neuen Strategie ist noch nicht abgeschlossen. Der damit verbundene Kulturwandel wird uns auch in den nächsten Jahren noch beschäftigen. In einem ersten Schritt haben wir im letzten Geschäftsjahr fünf Fokusthemen für die Schweiz definiert. Neben der «Elektrifizierung», «Automatisierung» und «Digitalisierung» wollen wir sowohl Partner der Wahl für unsere Kunden als auch Arbeitgeber der Wahl sein.

Vor einem Jahr meinten Sie, dass es noch zu früh sei, etwas über die internen Auswirkungen der «Vision 2020» zu sagen.

Mittlerweile kann ich sagen, dass sich die Veränderungen bei uns in Grenzen gehalten haben. Natürlich hat es neue mit der Zentralisierung verbundene Prozesse gegeben, die uns im Arbeitsalltag beeinflussen, aber schlussendlich braucht es einfach Zeit, sich an diese neuen Prozesse zu gewöhnen und diese im Alltag zu integrieren. Ob die Komplexität im Unternehmen damit wirklich reduziert werden kann, wird sich erst noch zeigen.

«Digitalisierung» ist in aller Munde. Wieso musste Siemens auch noch auf diesen Zug aufspringen?

Siemens ist in diesem Bereich alles andere als ein Mitläufer. Seit Jahren sind wir Innovationsführer in den Bereichen «Elektrifizierung» und «Automatisierung». Und auch im Bereich «Industry Software», in welchem wir Kunden wie beispielsweise Pilatus, Stöckli und Maserati bei der digitalen Produktentwicklung unterstützen, sind wir Marktführer. Diesen Vorsprung wollen wir nun auf die anderen Divisionen übertragen. Unser Anspruch ist es, auch die Transformation in der Industrie, also die «Digitalisierung», mitzugestalten. Die Welt war noch nie so vernetzt und digitalisiert. Die wachsende Datenmenge ist Chance und Herausforderung zugleich, denn dieser Wandel eröffnet zwar neue Möglichkeiten und neue Geschäftsmodelle, erfordert aber auch schnellere und flexiblere Prozesse. Es genügt nicht, einfach Daten zu sammeln. Nur wer die Daten versteht, kann einen Mehrwert schaffen. Das Stichwort heisst «smart data». Aus der Masse («big data») muss Inhalt («smart data») werden.

Was heisst das konkret?

Wir müssen wissen, wie unsere Anlagen und Geräte funktionieren und wie wir an die nützlichen Daten kommen. Ein Beispiel ist das Frühwarnsystem am CERN. Unzählige vernetzte Sensoren erzeugen dort täglich ein Datenvolumen von über 100 Terabyte. Eine Software analysiert diese Daten automatisch und sorgt dafür, dass Stillstandzeiten reduziert werden. Ähnliches gilt auch für die Optimierung von Gasturbinen, Windparks oder Energieverbrauchsreduktionen in Gebäuden oder bei Ampeln, Verkehrsrechnern, Zügen und in der Medizintechnik.

Wie werden Sie Partner der Wahl für Ihre Kunden?

Im Vordergrund steht hier der Kundenfokus, denn profitables Wachstum basiert auf der Nähe zu unseren Kunden. Damit wir deren Erwartungen erfüllen können, investieren wir in lokale Vertriebspräsenz. Darüber hinaus nutzen wir unser tiefes Verständnis für die Prozesse unserer Kunden und entwickeln gezielt unser Angebot weiter. Unser Erfolg hängt auch stark von der Kundenzufriedenheit und der Loyalität ab. Bei der diesjährigen Kundenloyalitätsumfrage konnte die Regionalgesellschaft Siemens Schweiz erneut den guten Wert des letzten Jahres bestätigen. Wir werden die Ergebnisse nun analysieren und die entsprechenden Massnahmen ableiten, sodass dieser gute Wert im nächsten Jahr nicht nur gehalten, sondern möglichst stark verbessert werden kann. Denn: Gleichschritt bedeutet Rückschritt.

Was heisst «Arbeitgeber der Wahl»?

Wir möchten für unsere aktuellen und auch zukünftigen Mitarbeitenden der bevorzugte Arbeitgeber sein. Unser spannendes Portfolio, die überdurchschnittlichen Arbeitgeberleistungen sowie diverse Weiterbildungs- und Förderprogramme machen uns bereits zu einem attraktiven Arbeitgeber. Doch wir dürfen auch in diesem Bereich nicht stehenbleiben. Das Arbeitsumfeld verändert sich laufend. Es ist uns ein grosses Anliegen, eine zukunftsträchtige Arbeitskultur zu fördern, die einen möglichst optimalen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der Mitarbeitenden und denjenigen des Unternehmens ermöglicht. Wir tun dies mit dem Programm «Arbeitsmodelle im Wandel». Dazu gehören unter anderem Mobile Working, also ortsunabhängiges, selbständiges Arbeiten, und Reintegration Peer Coaching, die Unterstützung beim Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub.

In den letzten Jahren war auch «Nachhaltigkeit» jeweils ein Fokusthema. Ist dieser Trend vorbei?

Nein, das Thema geniesst bei Siemens auch heute noch einen hohen Stellwert. Erst gerade im Herbst wurde bekannt, dass Siemens als erster grosser Industriekonzern weltweit bis zum Jahr 2030 eine neutrale CO2-Bilanz anstrebt. Um dies zu erreichen, investieren wir innerhalb der nächsten drei Jahre weltweit 100 Millionen Euro in die Verbesserung der Energiebilanz von unseren eigenen Produktionsstätten und Gebäuden. Auch in der Schweiz treiben wir zahlreiche Massnahmen voran, welche mithelfen, die Umwelt zu schützen. Diese werden im Umweltprogramm 2020 gebündelt. Im Vordergrund stehen dabei Einsparungen in den Bereichen Energie, Abfall und Wasser. Eine treibstoffeffiziente Servicefahrzeugflotte gehört hier ebenso dazu wie der Einsatz von Wasserspardüsen sowie Effizienz in der eigenen Energienutzung. Allein mit der Installation der Wasserspardüsen konnten bisher über 4000 m3 Wasser gespart werden. Auch monetär hat sich die kleine Massnahme ausgezahlt und zu Einsparungen von über 12 000 Franken geführt.

Wie sehen Ihre Prognosen für die Zukunft aus?

Siemens Schweiz ist gut aufgestellt. Dank unserem hervorragenden Portfolio an Produkten und Systemen und dank unseren motivierten und gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bin ich zuversichtlich, dass wir auch im laufenden Geschäftsjahr erfolgreich sein werden.


Das Geschäftsjahr 2015 in Zahlen

Siemens Schweiz kann auf ein solides Geschäftsjahr 2015 zurückblicken. Die von der Regionalgesellschaft verantworteten Geschäftseinheiten (inklusive Siemens Healthcare Schweiz AG) verzeichneten per Ende September 2015 einen Auftragseingang von 1,236 Milliarden Franken (im Vorjahr: 1,233 Milliarden Franken). Der Umsatz beläuft sich auf 1,261 Milliarden Franken (im Vorjahr: 1,267 Milliarden Franken). Ende September 2015 arbeiteten bei den von der Regionalgesellschaft verantworteten Geschäftseinheiten 3116 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (im Vorjahr: 3123).

Unter Berücksichtigung aller Tochter- und Schwestergesellschaften weist Siemens in der Schweiz einen Auftragseingang von 2,13 Milliarden Franken aus (im Vorjahr: 2,38 Milliarden Franken) und beschäftigt hierzulande 5357 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (im Vorjahr: 5753). Gründe für diesen Rückgang sind die komplette Übergabe des Siemens-Hausgerätegeschäfts der BSH Hausgeräte AG an die Firma Bosch, Stellenreduktionen am Divisionshauptsitz von Building Technologies in Zug sowie der Verkauf der Hörgerätesparte Siemens Audiologie, die neu als Sivantos firmiert.